| Falsche Belege abgerechnet |
| 29.11.2007 - MAINZ |
| Haft für Ehepaar wegen Betrugs |
dot. /WORMS Wegen gewerbsmäßigen Betruges hat die 1. Strafkammer des Mainzer Landgerichts ein Wormser Ehepaar (46 und 54) zu Gefängnisstrafen von zwei Jahren und zehn Monaten sowie drei Jahren verurteilt.
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Die Inhaber eines Anzeigenverlages hatten die Firma Karstadt mit falschen Einzugsbelegen zwischen Dezember 2001 und Oktober 2004 um rund 175000 Euro geschädigt (wir berichteten). Die Kammer ordnete die Unterbringung des zur Tatzeit vermindert schuldfähigen Paares in einer Alkoholentzugsklinik an. |
Der mit angeklagte Bruder des 54-Jährigen, ein nicht im Verlag tätiger Vermessungstechniker, wurde freigesprochen, das Verfahren gegen seine Frau eingestellt. Die 48-Jährige war zwar am Verlag beteiligt, hatte aber mit den Finanzen so gut wie nichts zu tun, befand das Gericht in der Urteilsbegründung. Die Inhaber der finanziell in Schieflage geratenen Werbefirma hatten es verstanden, der Kaufhauskette drei Jahre lang vorzuspiegeln, sie habe Anzeigen in Polizeiball-Broschüren geschaltet. |
Tatsächlich war dies jedoch nur einmal der Fall gewesen. So waren die Angeklagten an die Kontonummern gekommen. Die Banken kontrollierten nicht, sondern buchten munter ab. Mit diesem Geld hatten die Angeklagten den drohenden Konkurs immer wieder abwenden können. Wie der 54-Jährige und seine Frau unumwunden zugaben, sind beide Alkoholiker. "Ganz sicher trug das wesentlich zum Niedergang der zunächst gut gehenden Firma bei", stellte Vorsitzender Richter Hans E. Lorenz im Gerichtssaal fest. |
Mitarbeiter des Verlages hatten berichtet, dass der 54-Jährige meist nicht da und seine Frau völlig betrunken war. Die jetzige Lebensgefährtin des Angeklagten, die damals als Anzeigenwerberin in der Firma anfing, erinnerte sich ebenfalls an alkoholbedingte Ausfälle. "Als ich aus dem Urlaub kam, war der Chef betrunken", berichtete sie. Wenige Tage später sei auch die 46-Jährige nicht mehr ansprechbar gewesen. Die Angeklagte bestätigte das. Einzugsbelege habe sie meist im Rausch unterschrieben. |
"Das können Sie leicht an der Schrift erkennen!" Als Motiv für die Betrügereien nannte sie ihre Angst, aus der Wormser "High Society" ausgegrenzt zu werden. Das Paar hatte Luxusautos geleast und gönnte sich so manchen kostspieligen Urlaub. Der 54-Jährige hatte sein Herz an den Kartsport verloren. Zwei teure Rennwagen nannte er sein eigen. "Dazu kamen auch Frauengeschichten", erinnerte sich die 46-Jährige, die bestrebt war, die meiste Schuld bei sich zu suchen. |
"Ich war die Frau, bei der die Fäden zusammenliefen!" Ihr Mann sei nur Verkäufer gewesen. Der 54-Jährige ist jedoch im Gegensatz zu der Frau einschlägig vorbestraft. So hatte ihn das Wormser Schöffengericht schon in der Vergangenheit wegen betrügerischer Abbuchungen verurteilt. |
Die Strafe wurde in das gestrige Urteil mit einbezogen. "Es fällt auf, wie trickreich die Angeklagten vorgingen. Die Firmen machten es Ihnen zum Teil aber auch leicht", monierte die Kammer. Je größer die betrogenen Firmen waren, umso später seien die Abbuchungen aufgefallen. So erkläre sich die große Schadenssumme bei Karstadt. Die Angeklagten nahmen die Urteile an. |